Die Adverbialbestimmung


Die Adverbialbestimmung
(das Adverbiale, die Umstandsbestimmung)
§ 270. Die Adverbialbestimmung ist ein Nebenglied des Satzes, das gleich dem Objekt unmittelbar zur Gruppe des Prädikats gehört. Sie schließt sich dem Verb an und weist auf die Eigenschaften des Vorgangs und auf dessen Zweck hin, konkretisiert den Vorgang in bezug auf Ort, Zeit, Grad, Grund, Maß, Art und Weise usw.
Anna Nieth... fühlte sich dort nach drei Jahren noch ebenso schlecht wie am ersten Tag. (A. Seghers)
Auf den Treppenabsätzen standen Eimer mit Sand und Wasser. (E. M. Remarque)
Binding glänzte vor Vergnügen. (E. M. Remarque)
Die Adverbialbestimmung kann sich auch auf ein Adjektiv Beziehen. Als Bestimmung eines Adjektivs bezeichnet sie meist den Grad der Eigenschaft.
...beschirmt von gefältelter Seide, brannte mäßig helles Licht. (A. Zweig)
Es ist eisig kalt. (J. Petersen)
Je nachdem von welcher Seite das Prädikat näher bestimmt wird (Zeit, Ort, Zweck, Grund usw.), unterscheidet man sinngemäß folgende Adverbialbestimmungen: die Adverbialbestimmung des Ortes, der Zeit, der Art und Weise, der Folge, des Vergleichs, des Grundes, der Bedingung, der Einräumung, des Zweckes, des Maßes, der Modalität, des Urhebers.
§ 271. Die Adverbialbestimmung des Ortes (lokale Umstandsbestimmung) bezeichnet den Ort der Handlung (wo?), den Ort als Richtung der Handlung (wohin?) oder den Ort als Ausgangspunkt der Handlung (woher?).
Tiefe Stille herrscht im Wasser... (J. W. Goethe)
Elli ging in die Stadt hinein. (A. Seghers)
Aus dem Zimmer vernahm er Stimmen. (B. Uhse)
Die Adverbialbestimmung des Ortes kann ausgedrückt werden:
1. durch lokale Adverbien (zuweilen mit einer Präposition): hier, dort, da, oben, unten, vorn, hinten, links, rechts, draußen, drinnen, nirgends, überall, nach oben, nach unten, dahin, dorthin, von dort u. a.;
Draußen standen Landarbeiter und blickten auf den Zug. (E. M. Remarque)
Oben saß Wolfgang, unten wirtschaftete am Herd das fremde Mädchen. (H. Fallada)
Von fern her kommen wir gezogen | Und flehen um ein wirtlich Dach — „ (F. Schiller)
2. durch Substantive mit Präpositionen;
Graeber ging zu seinem Dorf zurück. (E. M. Remarque)
Er sitzt nun wieder hinter seinem Tisch. (H. Fallada)
Sie setzten sich auf den Koffer. (A. Seghers)
3. durch ein Substantiv im Akkusativ (meist als Straßenangäben in Adressen).
„Ich wohne in achtzehn“, sagte er. „Hakenstraße achtzehn.“ (E. M. Remarque)
§ 272. Die Adverbialbestimmung der Zeit (die temporale Umstandsbestimmung, die Temporalbestimmung) gibt den Zeitpunkt der Handlung an (wann?), ihre Dauer (wie lange?, seit wann?, auf wie lange?, bis wann?), ihre Wiederkehr (wie oft?).
Um diese Stunde saß Fiedler schon vor der Stadt in der Laube... (A. Seghers)
Aber eines Tages war der Deputierte Barbaroux nach Paris zurückgefahren. (W. Bredel)
Hermann hatte damals bis in die Nacht bei ihnen gesessen. (A. Seghers)
Und allwöchentlich legte er ihr auf den Tisch... dieselbe Summe Geldes wie früher... (A. Zweig)
Die Adverbialbestimmung der Zeit kann ausgedrückt werden:
1. durch temporale Adverbien (zuweilen mit einer Präposition): jetzt, heute, gleich, morgen, gestern, bald, endlich, oft, tagelang, früh, mittags, spät, täglich, abends, nachts, lange, niemals, jemals, immer, stets, häufig, sofort, zuweilen u. a. m.;
„Was ist heute für ein Tag?“ fragte er. (E. M. Remarque)
Nun bin ich doch zu spät gekommen, dachte er... (B. Uhse)
Röder hatte also bis jetzt nichts ausgesagt. (A. Seghers)
Oft hat Miesicke draußen von Mißhandlungen auf dem Stadthaus gehört. (W. Bredel)
Er betrachtet lange die zerstörte Orgel. (W. Bredel)
2. durch Substantive mit Präpositionen;
An einem sonnigen Septembermorgen pflügten zwei Bauern auf zweien dieser Äcker... (G. Keller)
Nach der Mittagspause sind sie allein in der Wachtstube... (W. Bredel)
Seit dem 1. März, seit über sieben Monaten, ist Walter Kreibel in Schutzhaft. (W. Bredel)
In derselben Mittagspause stand Franz in seiner Kantine und horchte. (A. Seghers)
Merke: am Tage, am Morgen, am Abend, am Montag; in der Nacht, im Jahre 1950, im Januar, in der Woche; um 7 Uhr, um Mitternacht.
3. durch Substantive im Akkusativ oder Genitiv;
Diesen Morgen ist wieder ein Paket Zeitungen angekommen. (H. Heine)
Vier Monate hatte er in Sachsen gearbeitet... (W. Bredel)
Eines Abends läuft Kreibel aufgeregt durch die Straßen Barmbecks. (W. Bredel)
Andern Tags wartete auf Charlotte Corday im Haus ihrer Tante ein Fremder... (W. Bredel)
4. durch Grundzahlwörter (bei Bezeichnung des Jahres in Daten).
1940 war er eingezogen worden, hatte sich zur Luftwaffe gemeldet... (W. Bredel)
...meine ersten Notizen für den „Untertan“ sind von 1906. Geschrieben wurde er 1912 bis 1914... (H. Mann)
§ 273. Die Adverbialbestimmung der Art und Weise gibt an, wie, auf welche Weise oder mit Hilfe welcher Mittel die Handlung vor sich geht, sowie den Grad und das Maß der Handlung. Diese Adverbialbestimmung bezeichnet ferner den Grad einer Eigenschaft, die durch ein Adjektiv ausgedrückt ist. Somit unterscheidet man folgende Unterarten der Adverbialbestimmung der Art und Weise: 1) die Adverbialbestimmung der Art und Weise im engeren Sinne; 2) die Adverbialbestimmung des Mittels (Instrumentalbestimmung); 3) die Adverbialbestimmung des Grades (der Intensität).
I. Die Adverbialbestimmung der Art und Weise im engeren Sinne gibt an, wie, auf welche Weise, auf welche Art die Handlung vor sich geht, und antwortet auf die Fragen: wie?, auf welche Weise?
Petra schüttelte energisch den Kopf... (H. Fallada)
...Franz... springt in langen Sätzen die Treppe hinunter. (J. Petersen)
Langsamen und gemessenen Schrittes trat Taubenhaus an das Rednerpult. (B. Kellermann)
Die Adverbialbestimmung der Art und Weise wird ausgedrückt:
1. durch qualitative Adverbien: gut, leise, schnell, langsam, ruhig, leicht, schwer, energisch u. a.;
Sie schlief und atmete langsam und ruhig. (E. M. Remarque)
Alles ging gut. (L. Feuchtwanger)
Der Keller des alten Schellhammer war am solidesten und stärksten in der Hofgartengegend gebaut... (B. Kellermann)
2. durch Partizipien;
Verlegen und stockend erzählte er von seiner Reise. (B. Kellermann)
Schlagend, klirrend, stoßend fuhren die Wagen über die Weichen und Kreuzungen von Stralau-Rummelsburg. (H. Fallada)
Noch lange saß sie aufgestützt und lauschte hinüber. (H. Mann)
3. durch präpositionale Wendungen;
Er aß im Gehen. (A. Seghers)
Hinter uns fliegt die Tür mit lautem Knall auf. (J. Petersen)
Mit leichten Füßen eilte sie die Treppe hinunter... (B. Kellermann)
4. durch Substantive im Genitiv (mit einem kongruierenden Attribut);
Langsamen Schrittes trat sie in den Laden. (W. Bredel)
Gesenkten Kopfes blickte sie Tonio Kroger von unten herauf mit schwarzen, schwimmenden Augen an. (Th. Mann)
5. durch den unabhängigen Akkusativ (accusativus absolutus);
Klemm saß am Schreibtisch, den Rücken gegen Lenore. (A. Seghers)
Zögernd steht Sophie, die Geldtasche in der Hand. (H. Fallada)
6. durch eine Infinitivgruppe mit ohne... zu, (an)statt... zu.
Pagel hat, ohne auf das Geschwätz zu achten, am Fenster gestanden. (H. Fallada)
Hans kam es sonderbar vor, daß dieser Junge genau am selben Ort wie er selbst die Wärme, die Lieder, die Suppe mit ihm teilte, anstatt vor ihm wegzurennen... (A. Seghers)
Er lief, statt den Schienen nachzugehen, ein Stück in die Anlage. (A. Seghers)
II. Die Adverbialbestimmung des Mittels (Instrumentalbestimmung) bezeichnet das Mittel oder Werkzeug der Handlung und antwortet auf die Fragen: wie?, womit?, wodurch? Die Instrumentalbestimmung wird ausgedrückt durch Substantive mit den Präpositionen mit, durch, mittels, vermöge und durch die Pronominaladverbien damit, dadurch, womit, wodurch.
Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert. (K. Marx/F. Engels)
Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst. (K. Marx/F. Engels)
...das hat mit ihrem Singen | Die Lorelei getan. (H. Heine)
III. Die Adverbialbestimmung des Grades gibt die Intensität der Handlung, den Grad der Eigenschaft an und antwortet auf die Fragen: wie?, wie stark?, wie sehr?
Um sich in Berlin zu betätigen, mußte Oskar einen Mitarbeiter haben, der ihm bis ins letzte ergeben war. (L. Feuchtwanger)
Der stumpfe Glanz des Metalls, die kleinen blauen Pulverwölkchen sind zum Greifen nahe. (J. Petersen)
Die Adverbialbestimmung des Grades wird ausgedrückt:
1. durch quantitative Adverbien: äußerst, sehr, höchst, viel, ziemlich, völlig, zusehends, beinahe, wenig, größtenteils, ganz u. a.;
Richard drückt uns fest die Hand. (J. Petersen)
Marcel war tief unglücklich und sehr einsam. (W. Bredel)
Als sie auf den Anhöhen gingen..., fielen äußerst langsam einzelne Schneeflocken. (A. Stifter)
Hier am Rhein war es jetzt ziemlich still. (A. Seghers)
2. durch eine präpositionale Wendung;
Es goß seit Tagen in Strömen. (W. Bredel)
Oskar war erstaunt bis zur Betäubung. (L. Feuchtwanger)
3. durch ein Partizip I.
Schneidend kalt sind die ersten Tage des März. (W. Bredel)
§ 274. Die Adverbialbestimmung der Folge (konsekutive Umstandsbestimmung, Konsekutivbestimmung) bezeichnet die Folge eines Zustands und antwortet auf die Fragen: wie?, mit welcher Folge? Sie wird durch eine Infinitivgruppe mit zu oder um... zu ausgedrückt.
Sie war aber viel zu müde, um zu staunen. (A. Seghers)
An einem Frühjahrsnachmittag, der zu regnerisch war, im Garten zu sitzen, verzogen sich die Familie Malzahn, die Tante Amalie, Lenore, ihr Junge und ein paar Gäste ins Wohnzimmer. (A. Seghers)
Es war nicht hell genug, um die Gesichter zu erkennen. (E. M. Remarque)
§ 275. Die Adverbialbestimmung des Vergleichs (komparative Umstandsbestimmung) gibt den Vergleich an, antwortet auf die Frage wie? und wird durch ein Substantiv, Pronomen, Adverb usw. mit den Konjunktionen wie oder als (seltener denn) ausgedrückt. Im Vergleich steht bei Gleichheit die Konjunktion wie, bei Ungleichheit als. Bei Ungleichheit enthält der Satz auch ein Adjektiv oder ein Adverb im Komparativ.
Das Linoleum auf dem Boden war glatt wie ein Spiegel. (E. M. Remarque)
Er verlor das Gefühl für Zeit wie am gestrigen Abend. (A. Seghers)
Der Frühling war gekommen, später, aber auch rascher und freudiger als gewöhnlich. (J. W. Goethe)
§ 276. Die Adverbialbestimmung des Grundes. (kausale Umstandsbestimmung, Kausalbestimmung) bezeichnet den Grund oder die Ursache und antwortet auf die Fragen: warum?, weswegen?, aus welchem Grunde?
„Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie wegen ungebührlichen Verhaltens vor Gericht bestraft werden können.“ (L. Frank)
Die armen Bauern bekamen durch seine Gesetze Land. (A. Seghers)
Aber nicht nur darum hatte er es am schwersten. Die Gründe lagen auch in seinem widerspruchsvollen Charakter. (W. Joho)
Die Adverbialbestimmung des Grundes wird ausgedrückt:
1. durch ein Substantiv bzw. Pronomen mit den Präpositionen aus, vor, durch, wegen, halber, um... willen, laut, kraft, gemäß, dank, zufolge u. a.;
...seine Ohren glühten ihm rot vor Kälte unter seinem schäbigen Hut... (A. Seghers)
Liau war erschöpft von dem Lärm der Straße, vom Lichtergesprenkel, von den Wanzen. (A. Seghers)
Als der letzte Zahn gezogen war, lag Hanno acht Tage lang krank, und zwar aus reiner Ermattung. (Th. Mann)
2. durch die Adverbien darum, deswegen, deshalb, daher.
Die Gesellschaft bestand meistens aus Hallensern, und Halle wurde daher Hauptgegenstand der Unterhaltung. (H. Heine)
Um diese Stunde konnte man gar gut mit ihm reden...; deswegen besuchte ihn auch sein Großwesir Mansor alle Tage um diese Zeit. (W. Hauff)
§ 277. Die Adverbialbestimmung der Bedingung (konditionale Umstandsbestimmung, Konditionalbestimmung) bezeichnet die Bedingung, die den Vorgang ermöglicht, und antwortet auf die Fragen: unter welcher Bedingung?, in welchem Fall? Sie wird durch ein Substantiv bzw. Pronomen mit den Präpositionen ohne, bei, auf, unter ausgedrückt.
Das zuständige Polizeirevier... hätte meine neue Adresse auf Befragen angegeben. (J. Petersen)
Ohne dich hätte ich es nicht fertig gebracht.“ (W. Bredel)
„Natürlich weiß ich recht wohl, Gleichen“, sagte Wolfgang, daß bei dem schauerlichen Schund in unserem Lande gutes Kunstgewerbe so dringend wie das tägliche Brot ist.“ (B. Kellermann)
§ 278. Die Adverbialbestimmung der Einräumung (konzessive Umstandsbestimmung, Konzessivbestimmung) bezeichnet die Einräumung, den angeblichen, unzureichenden Grund und antwortet auf die Fragen: trotz welchen Umstandes?, wessenungeachtet? Sie wird meist durch ein Substantiv mit den Präpositionen trotz, ungeachtet, gegen, wider oder mit den konzessiven Konjunktionen obgleich, obschon, wenn (meist mit der Partikel auch) u. a. ausgedrückt.
Trotz der großen Hitze schritt er eilig dahin. (B. Kellermann)
...es war nun Zeit, aufzustehen, aber gegen seine Gewohnheit blieb er noch ein wenig liegen... (W. Joho)
Diederich, ergriffen wider Willen, fragte: „Was haben Sie vor?“ (H. Mann)
Obgleich der Jüngere, war Viktor Herbert gegenüber der Überlegene und Gebende. (W. Bredel)
§ 279. Die Adverbialbestimmung des Zwecks (finale Umstandsbestimmung, Finalbestimmung) gibt die Absicht, den Zweck an und antwortet auf die Fragen: wozu?, zu welchem Zweck?
Sie stellte ihre Johannisbeeren zum Einkochen auf den Gasofen. (A. Seghers)
... er... geht eilig auf das Büro, seine Koffer zu holen. (H. Fallada)
Die Adverbialbestimmung des Zwecks wird ausgedrückt:
1. durch ein Substantiv mit den Präpositionen zu, zwecke, für;
Soll ich zum Welken gebrochen sein? (J. W. Goethe)
Frau Lukasch hielt es auch für ratsam, ihr Gedächtnis für den morgigen Termin nochmals aufzufrischen. (B. Kellermann)
2. durch einen Infinitiv bzw. eine Infinitivgruppe mit zu und um... zu;
Seine dicke Post machte ihm keine Freude mehr, er schob die Briefschaften beiseite und telefonierte herum, mit seinen Freunden Neujahrswünsche auszutauschen. (L. Feuchtwanger)
Ein paar Meter vor dem französischen Wachtposten stand ein einheimischer Polizist, der hob die Hand, um das Auto anzuhalten. (A. Seghers)
3. durch die Pronominaladverbien dazu, wozu.
„Wir haben keine Zeit zu streiten“, sagte er, „und dazu bin ich auch nicht hergekommen.“ (L. Feuchtwanger)
§ 280. Die Adverbialbestimmung des Maßes gibt das Maß, das Gewicht, das Alter an, antwortet auf die Fragen: wie hoch?, wie alt?, wie tief? u. a. Sie bezieht sich auf die prädikativen Adjektive: hoch, lang, breit, tief, schwer, alt und wird durch ein Substantiv im Akkusativ mit einer Kardinalzahl ausgedrückt.
Das Haus war drei Stockwerke hoch... (A. Seghers)
Als er sieben Jahre alt war, ward er zur Schule geschickt... (Th. Mann)
§ 281. Die Adverbialbestimmung der Modalität (modale Umstandsbestimmung) bezeichnet das Verhalten des Redenden zur Realität der Aussage. Sie bezieht sich auf den ganzen Satz und wird durch Modalwörter (wahrscheinlich, vielleicht, zweifellos, gewiß, wohl u. а.) und Wendungen mit modaler Bedeutung (in der Tat, ohne Zweifel, in Wirklichkeit) ausgedrückt. Ein geeignetes Fragewort fehlt hier.
„Ich bin also krank“, dachte er, „wahrscheinlich schwer krank“. (W. Bredel)
Vielleicht sind in unserem Land noch nie so merkwürdige Bäume gefällt worden wie die sieben Platanen auf der Schmalseite der Baracke III. (A. Seghers)
„Der Fall war natürlich von Anfang an klar.“ (H. Mann)
Jetzt sieht sie in der Tat wie Lukrezia Borgia aus. (E. E. Kisch)
§ 282. Viele Adverbialbestimmungen können durch abgesonderte Partizipialgruppen ausgedrückt werden, so die Adverbialbestimmungen, der Zeit, der Art und Weise, des Grundes, der Bedingung, der Einräumung.
In der Innenstadt angekommen, erledigt Quangel erst einige Einkäufe. (H. Fallada) (Adverbialbestimmung der Zeit)
Er trank, am Tische stehend, langsam seinen Kaffee und aß ein Hörnchen dazu. (Th. Mann) (Adverbialbestimmung der Art und Weise)
Noch erfüllt von dem Spiel, war Aina auf dem Heimweg sehr schweigsam. (W. Bredel) (Adverbialbestimmung des Grundes)
Aus der Gemeinschaft der Protestanten ausgestoßen, wäre er für den Vetter keine Gefahr mehr gewesen. (H. Mann) (Adverbialbestimmung der Bedingung)
Vom Henkerbeil, vom Kerker bedroht, führen sie ihren Kampf unerschrocken weiter. (J. Petersen) (Adverbialbestimmung der Einräumung)
Die Bedeutung der Partizipialgruppe läßt sich zuweilen nicht klar und eindeutig bestimmen. So kann im nachfolgenden Satz die Partizipialgruppe auf zweierlei Art aufgefaßt werden: als Adverbialbestimmung des Grundes oder der Art und Weise:
Geschützt vor dem Winde, der bislang um ihre Ohren gespielt hatte, empfanden sie plötzlich eine nachdenklich stimmende Stille. (Th. Mann)
§ 283. Eine besondere Art von Adverbialbestimmung ist die Adverbialbestimmung des Urhebers. Sie bezeichnet den Urheber der Handlung, die tätige Person beim Passiv und wird durch ein Substantiv (bzw. Pronomen) mit den Präpositionen von oder durch ausgedrückt (s. § 147).
Als Christian Nadler nach einer Schuhablieferung von der Landstraße auf den Feldweg abbog, wurde er von dem Trupp Arbeiter überholt... (A. Seghers)
Diesmal ward Diederich durch Emmi gerettet... (H. Mann)
Anmerkung. In vielen Grammatiken werden die obenerwähnten präpositionalen Wortgruppen als präpositionales Objekt aufgefaßt. (Vgl.: Л. Р. Зиндер и Т. В. Строева. Современный немецкий язык. Москва, 1957.)

Грамматика немецкого языка. 2-е издание. .

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